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Wohnungssuche - Wie findet man eine passende Wohnung?

immobilienIch habe mir die Frage, wie man bloss die passende Wohnung in einer Grossstadt wie beispielsweise Wien findet, in letzter Zeit oft gestellt. Ich bin auf die wahnwitzigsten Ideen gekommen, als ich meine Wohnungssuche begann. Zuerst rief ich alle gängigen Immobilienmakler, die Wien zu bieten hatte, an, denn ich wollte so wie tausende andere Menschen, eine Wohnung auf konventionellem Wege finden. Ich telefonierte mit den Maklern und wartete auf deren Rückrufe.

Ich weiss nicht, wie viele Wochen und Monate ich wartete, aber wenn ich während meiner Wartezeit im Büro geblieben wäre, hätte ich ein Hungergefühl in der Magengegend verspürt, das mich an die Grenze der Lebensfähigkeit gebracht hätte. Nach einigen Monaten entschied ich, dass dies wohl der falsche Weg für mich ist, eine geeignete Wohnung in Wien zu finden. Ich sass in Klagenfurt fest, wie die brütende Henne auf ihren gelegten Eiern. Bevor die Eier drohten, faul zu werden, überlegte ich mir, kreative Wege für meine mittlerweile verzweifelte Wohnungssuche einzuschlagen. Und folgendes setzte ich in die Tat um.

Mein Inserat in Wiener Zeitungen - Ich suche eine Wohnung

Ich liess folgendes Inserat in den gängigen Wiener Zeitungen im Immobilienteil, am Immobilienmarkt abdrucken: An alle Makler: Suche Wohnung, weit oben, hell, hochwertig, Terrasse, Bad, ruhig, 45 Quadratmeter, nähe AKH. Bin blind. Infos unter: www.der-lifestyle.de/wohnen/wohnungssuche.html

An alle Makler: So möchte ich wohnen

Ich suche eine Wohnung, möglichst weit oben, vielleicht auch Dachgeschoss, in einem hochwertigen, luxuriösen Zustand, hell muss sie sein, einen breiten Balkon oder eine Terrasse muss sie haben, südwest Ausrichtung, ein schönes Badezimmer sollte sie besitzen, eine Art kleine Küche, denn man will ja nicht verhungern, und ruhig sollte die Wohnung sein.

Ich brauche eine gute Infrastruktur, einen Supermarkt und Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Nase, den ich bin blind und möchte mit meinem Blindenstock nicht quer durch die Wiener Stadtbezirke laufen. Die Wohnung muss in AKH Nähe sein, denn womöglich entscheide ich mich eines Tages dafür, die Wiener Ärzte für mein Augenforschungsprojekt zu interviewen. Wenn ich mit meiner Agentur unterfordert bin, mache ich womöglich noch eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, und für diese Zwecke steht dann das AKH gleich griffbereit in der Nähe.

 

Die Innenausstattung meiner Wunschwohnung

Auch von innen muss die Wohnung etwas aussagekräftiges darstellen. Parkettboden, Laminatboden oder Marmorboden sollte vorhanden sein, denn ich liebe es hell, glatt und gut versiegelt unter meinen Füssen. Glas sollte wenn möglich viel und ausreichend vorhanden sein, damit der Tag in die Wohnung scheinen kann. Übrigens suche ich eine Wohnung mit möglichst nur einem Raum, aber der muss grosszügig ausfallen.

Ich habe schon an ein kleines Loft gedacht, wenn diese Lofts nicht so rar und übersichtlich gesät wären. Ach ja, ca. 45 Quadratmeter soll die Wohnung gross sein, damit ich mich drin nicht verlaufe. Übrigens werde ich niemals einen Blindenhund besitzen, denn ich habe eine Hundeallergie und kann ohnehin mit Tieren nichts anfangen. So bin ich ein willkommener Mieter für alle Vermieter.

Wieviel darf die Wohnung kosten?

Meine Preisvorstellungen liegen bei 800 - 900 Euro, aber es darf auf jeden Fall auch deutlich billiger sein, denn wer will schon Geld fürs mieten ausgeben. Ich habe bemerkt, dass die Wohnungsmieten in Wien üppig ausfallen können, dass man es unter günstigen Umständen aber auch billig haben kann. Nun, mein Penthouse leiste ich mir, wenn ich dann grössenwahnsinnig geworden bin.

Rufen Sie mich an, ich freue mich auf ein passendes Wohnungsangebot: Tel: Österreich:(0043) 0699 11368240 Handy.

Die erste Wohnung in Wien - eine Katastrophe

Unbekümmert wie ich war, sah ich mir die erste Wohnung an, die ich kriegen konnte. 30 Quadratmeter, keine Küche, kein Balkon, Parkettboden, aber Gott sei dank ein Fenster. Die Wohnung stand im Dachgeschoss im 14. Wiener Bezirk. Was bitteschön kann an kleinen 30 Quadratmeter Flächeninhalt so schlimm sein, dass es die Wohnung unbewohnbar macht?

Der Immobilienmakler fragte, ob ich die Wohnung dringend bräuchte, als wir sie gemeinsam betraten. Vielleicht war er vom Zustand der Wohnung ein wenig überrascht. Ich war gerade erst blind geworden und stand seelenruhig im Raum. Ich erkannte den Parkettboden, aber nicht die Möbel, die eigentlich dringend auf den Sperrmüll gehörten.

Möblierte Appartments besitzen die leidige Angewohnheit, Möbel zu beherbergen, die niemand braucht, die aber nicht entsorgt werden dürfen, denn der Nachmieter möchte auch noch das angenehm muffelige Wohnflair miterleben. Nun waren der Makler und ich in einer verzweifelten Situation. Für 439 Euro wollte er mir die Bruchbude auch nicht unbedingt überlassen. Und ich hatte bereits Termine für den nächsten und die darauffolgenden Tage und Wochen in Wien geplant, und stand ohne Hotelzimer da.

Wenn man blind ist, sieht man den Müll nicht, es hat also alles seine Vorteile. Ich mietete die Wohnung, da ich dachte, die Möbel würden entsorgt werden, und die Fenster könnte man zum Lüften benutzen. Als ich die erste Nacht in meiner neuen Wohnung verbrachte, erkannte ich allerdings nach und nach die Katastrophe. Die Fenster waren kaputt und der Raum erhitzte sich auf 48 Grad.

Gegrillt wollte ich nun bitteschön auch nicht werden. Ich rief den Makler an. Manchmal sind unschuldige blaue Augen von Vorteil, sage ich Ihnen, denn ich machte den Mietvertrag rückgängig und zog aus der Wohnung wieder aus. Eine Sache hinterliess allerdings einen harten linken Haken, denn ich musste all meine hart terminierten Geschäftstermine und sämtliche Termine fürs Mobilitätstraining absagen, bis ich eine neue Wohnung finden würde.

Übrigens hatten wir bis auf Weiteres keinen Mobilitätstrainer in Klagenfurt, und so irrte ich weiterhin wie ein Huhn durch die Gegend und konnte links von rechts nicht unterscheiden. Das war meine Eintageswohnung in Wien, meine ganz persönliche Eintagsfliege, die mir bis heute so peinlich ist, dass ich sie glatt hier in der Öffentlichkeit breittreten muss. Ich schwöre, beim nächsten Mal miete ich mir einen Callboy, einen Dressman, der mich mit seinen Adleraugen begleitet und mir erzählt, in welchem Zustand sich jeder Zentimeter einer potentiellen Wohnung befindet.

Der Immobilienmakler hatte mir zwar auch oberflächlich den Zustand der Wohnung geschildert, aber die kaputten, schmutzigen Möbel und die defekten Fenster konnte selbst ich im blinden Zustand förmlich sehen, als ich mich mit dem Appartment vertraut machte.

Meine erste Businesswohnung - das teure Business Appartment

Nachdem ich mich vom Schock meiner ersten, für eine Nacht versehentlich angemieteten Bruchbude in Wien erholt hatte, wartete ich zusammen mit meiner Seele erst einmal eine Weile, denn wir mussten uns in Ruhe sammeln und in unsere Mitte kommen. Sie ahnen ja nicht, wie lange es dauern kann, bis man seine Mitte gefunden hat. Mein Lieblingsbekannter freute sich schon darauf, dass ich nach Wien komme, und war dann ganz enttäuscht, als ich nicht kam.

Ein Jahr dauerte es, bis meine Seele den Schock überwandt, und irgendwie sitzt er mir immer noch in den Knochen fest. Gut, ich überwand zwischendurch noch eine letzte Augenoperation, war high von der letzten Vollnarkose und machte meine Geschäftstermine vom Hotel aus, in welchem ich nun Stammgast bin. Ich muss sagen, der Service im Hotel ist mit einer Wohnung nicht zu vergleichen, denn einen billigen Butler habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.

Ich machte mich erneut auf Wohnungssuche in Wien. Diesmal sollte es eine luxuriöse Wohnung sein, denn von Bruchbuden hielt ich mich fern. Die Business Appartments, die ich im Internet entdeckte, wirkten seriös und hochwertig, denn der Preis alleine erfüllte schon die luxuriösesten Voraussetzungen. Teurer kann es kaum noch werden.

Ich liess mir per E-Mail Pläne von Businesswohnungen schicken, die zwischen 2500 Euro und 4000 Euro pro Monat an Miete verschlangen. Man kann ja auch sein Geld zum offenen Fenster hinaus werfen und zuschauen, wie das allgemeine Fussvolk die Scheine einsammelt und zum Fenster empor jubelt. Ja, genau das brauchte mein vernachlässigtes Ego jetzt.

Ich sah mir die billigste Businesswohnung in Wien an und stand dann doch in einem grossen Hotelzimmer, welches auch wie eines eingerichtet war, nur dass das Hotel rundherum fehlte. Ich suchte die Terrasse und das Marmorbad. Bei diesem Zustand konnte ich ja gleich in meinem Lieblingshotel wohnen, denn da hatte ich auch keinen Balkon, aber dafür ein Marmorbad und einen fünf Sterne Service mit Frühstück ans Bett.

Gut dass ich mich dafür entschieden hatte, das Business Appartment vorab zu besichtigen, denn sonst hätte ich glatt ein überteuertes Hotelzimmer ohne den Hotelservice gebucht. Für diese monatlichen Mietpreise wollte ich nicht noch selber kochen und mein Essen beschaffen. So wurde aus meinem Business Appartment auch bloss nur ein Besichtigungstermin ohne Folgekosten. Meine Freunde und Bekannten belächelten mich mittlerweile, und mein Lieblingsbekannter fühlte sich nur noch von mir verarscht, da ich immer freudig erzählte, dass ich jetzt nach Wien ziehe.

Eine Wohnung in Wien mit eigenem Butler

Stellen Sie sich vor, es wurde mir auch eine Wohnung mitten in Wien für 2000 Euro monatliche Miete angeboten. Ich hätte hier sogar einen Hausbutler besessen, der mir die Wege zur Wohnungstüre ebnen sollte. Aber auch für dieses monatliche Entgeld möchte ich nicht selber kochen. Da fällt mir ein, was macht eigentlich der Butler, wenn man selbst kochen muss? Ist der im Dauerurlaub? Mittlerweile wohnten einige Freunde von mir in Wien.

Die haben ja auch einst eine brauchbare Wohnung gefunden, also werden mein Ego, meine Seele und ich doch auch ein nettes Zuhause finden, dachte ich und verbuchte die Wohnung im Botschafterviertel in Wien als nette kleine Errungenschaft, welche ich nicht in Anspruch nahm. Wissen Sie, was das Tückische an einer Wohnungssuche in einer fremden Grossstadt, in der man nicht lebt, ist?

Man verliert so leicht den Suchfaden, wenn man sich an sein Stammhotel gewöhnt hat und sämtliche Termine von dort aus regelt. Marcel Prawy wohnte im Hotel Sacher, denn in seiner eigenen Wohnung residierten die Plastiktüten von Billa mit den Aufzeichnungen seiner Kritiken drin. Was für ihn das Hotel Sacher war, ist für mich das Steigenberger Hotel, denn dort bringen die mir mein Frühstück bis ans Bett.

Das eigene Luxus Appartment in Wien

Ich dachte mir während meiner Wohnungssuche, es geht nicht mehr teurer, bis ich vom Gegenteil überzeugt wurde und ein kleines Luxus Appartment für 5200 Euro monatliche Miete gefunden hatte. Gut, die Wohnung war vorteilhaft mit einer guten Lage ausgestattet, denn sie residierte mitten im ersten Wiener Bezirk. Der 1. Bezirk wäre genau nach meinen Vorstellungen, klein und übersichtlich gebaut, schön renoviert, und die Geschäfte stehen brav in Zweierreihe nebeneinander, sodass man bloss nach links und rechts zu gehen braucht, um sich rundum zu versorgen.

Ich gebe zu, dass ich rechts von links nicht unterscheiden kann, aber wenn ich ins falsche Geschäft gehe, wechsle ich einfach die Strassenseite. Als ich mir mein Luxus Appartment ansah, suchte ich wieder vergeblich die Terrasse. Im ersten Wiener Bezirk ist Platz eine Art Mangelware, da macht man aus dem letzten Quadratmeter noch ein Klo, eine Besenkammer oder ein kleines Schlafzimmer.

Immerhin, das Marmorbad war diesmal im Preis inbegriffen, die hochwertige Küche mit einer Espresso Maschine auch, und die Möbel hatte ein Designer entworfen, der sich bestimmt extra wegen mir seine wohnkosmetischen Gedanken gemacht hatte, und wenn nicht gerade wegen mir, dann eben wegen des nächsten gut betuchten, zahlenden Kunden. Sogar die Deckenleuchter waren aus echtem Swarovski Glas gefertigt worden und schmunzelten mir von der Zimmerdecke aus entgegen.

Nanu, diese Wohnung besass schon wieder keinen Butler, der mir für diesen stolzen monatlichen Mietpreis mein tägliches Leben angenehm gestaltete. Wo hat Wien seine Butler versteckt? Und so verliess ich das Luxus Appartment im ersten Wiener Bezirk wieder schweren Herzens und machte mich erneut auf Wohnungssuche. Sie sehen schon, meine Suche nach einer geeigneten Wohnung könnte sich als schwierig entpuppen, da ich kreative Suchwege einschlage und noch ausgefallenere Vorstellungen von der perfekten Wohnung habe.

Irgendwann bin ich so weit, dass mir ein paar weiss gestrichene Wände, eine kleine Süd West Terrasse, Laminatboden, Bad, Klo und Küche, ein heller grosser Raum und die wichtigsten Geschäfte in der Nähe, zusätzlich gute Höhenluft und eine ruhige Lage bei einer Wohnung meiner Vorstellungen ausreichen. Ich kann ja nichts dafür, dass meine Vorstellungskraft so enorm angestiegen ist, seit ich nur noch meine farbenfrohen Phantombilder sehe.

Mein Blindenstock bräuchte bloss eine Ablage in einer intakten Garderobe, aber leider zieht der nicht alleine in die Wohnung ein. Nun, mein Blindenstock ist eben das Gegenteil von mir, ein genügsamer Kerl. Wenn Sie eine Wohnung in Wien zu vermieten haben, rufen Sie mich an, ich bin mittlerweile Tag und Nacht für Sie da.

 

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