So wohnen Sie einfach schöner Wollten Sie immer schon wissen, wie Prominente wohnen? Wie sieht es hinter der Haustüre Ihrer Nachbarn aus? Wie sieht wohl das Schlafzimmer Ihres Chefs aus? Mich interessieren solche privaten Details, welche sich bis unter die intime Bettdecke eines sinnlich gestalteten Schlafzimmers und bis in die Tiefen eines baufälligen Kellers, in dem die Kartoffelsäcke auf die Ratten warten, erstrecken, denn ich bin von Natur aus leider ein neugieriger Mensch.
Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich kann hinter geschlossenen Türen wie ein Luchs lauern und mit einem leeren Trinkglas am Ohr an der Türe lauschen, denn ich muss wissen, was hinter den verschlossenen Türen los ist. Im Grunde bin ich ja nicht neugierig, ich will nur wissen, wie es meiner Umwelt geht, und das nennt man Anteilnahme. Und wie wohnen Sie eigentlich? Neulich stöberten meine sieben Sinne, inklusive dem Verkehrssinn in einem höchst interessanten Schlafzimmer. Ich entdeckte Spiegelflächen genau über dem verspielten Liebesbett. Ich verstehe, man muss sich ja auch gegenseitig gut sehen können, wenn man sich beim Vergnügen, manchmal auch beim Arbeiten beobachtet. Mann möchte ja auch sicherstellen, dass die Stellung im rechten Winkel ausgerichtet, stimmig ist und der Partner nicht während der Arbeit fremd geht. Deshalb braucht man die obligatorisch angebrachten Spiegel an der Zimmerdecke. Besitzen Sie auch solch widerspiegelnden Deckenschmuck? Wenn ich mir demnächst Spiegel an die Zimmerdecke klatsche, dann nur zu reinen Schönheitszwecken, wegen meiner ausartenden Eitelkeit, denn dann kann ich mich auch während des Schlafs im Spiegel ansehen und davon träumen, wie schön ich doch bin. Ich kenne übrigens auch spartanisch ausgelegte Wohnungen, in denen die Garderobe im Flur ein Highlight darstellt. Einst kam ich in ein wahrlich übersichtlich aufgeräumtes Wohnzimmer. Ich sah mich um und entdeckte einen am Boden stehenden Fernseher gegenüber der blanken Couch, und als mein Blick weiter in den Raum hinein abschweifte, begegnete ich einem Glastisch mit vier Stühlen. Ich fragte, ob das Wohnzimmer dieses oder nächstes Jahr fertig eingerichtet wird und erhielt als Antwort, dass es bereits voll eingerichtet ist, da der Architekt sein Bestes gegeben hat. Oje, ich besitze die leidenschaftliche Gabe, in jeden Fettnapf zu treten, der sich mir in den Weg stellt. Manche Menschen lieben eben den sparsam eingerichteten Wohnstil, denn hier kann man erstens nichts falsch machen, und zweitens hat man den vollen Durchblick von der Zimmertüre aus bis auf die Terrasse, da sich kein überflüssiger Nippes dem erstaunten Auge des Betrachters in den Weg stellt. Minimalistisch zu wohnen ist übrigens auch ein Lifestyle Trend, welchen immer mehr Leute aus idealistischer Überzeugung ausleben. Ich persönlich liebe es auch aufgeräumt und übersichtlich, denn ich falle über jeden noch so grossen Nippes drüber, wenn ich erst einmal mit vollem Elan durch die Wohnung laufe. Nehmen Sie Ihre Kleinmöbel und verstecken Sie diese vor mir, falls Sie auf die Idee kommen, mich in Ihr Zuhause einzuladen, sonst muss womöglich Ihre Versicherung den Scherbenhaufen bezahlen, den ich anrichte, denn offiziell bin ich nie bei Ihnen erschienen. Im Schadensfall bin ich nämlich unterwegs verloren gegangen. Nicht immer muss es minimalistisch im Haushalt aussehen. Es geht auch anders. Manche Menschen leben erstaunlicherweise gerne zwischen unzähligen Möbelteilen, Kleinmöbeln und Ziergegenständen. Bitte, dieses Wohnflair kann schnell in den Wohlstil des sammelfreudigen Messies ausarten, der sich von nichts und niemandem trennen kann. Ich durfte, oder besser gesagt, ich musste mir einmal eine Wohnung ansehen, in der ein kleiner Messie hauste. Da stapelten sich sogar die Zeitungen wie Museumsarchive im Flur, sodass man bloss auf den kleinen Gänsesteigen bis ins Wohnzimmer vordringen konnte. Übrigens muss ich bei der Gelegenheit erwähnen, dass ich eine Schütze Frau mit dem Aszendenten des Steinbocks bin. Wenn ich in meinem Büro eine meiner peinigenden kreativen Adern auslebe, schlägt meine Pulsschlagader aus und meine Herzschlagader höher, denn dann verunstalte ich mein Büro fast bis zur Unerkenntlichkeit, sodass ich auch nur schmale Gänsepfade zwischen meinen Accessoires baue, um zum Schreibtisch zu gelangen. Mein Aszendent, der Steinbock muss das Chaos immer wieder aufräumen, da er es nicht duldet. So räumt mein Steinbock ständig hinter meinem Schützen her. Und welches Sternzeichen ziert Ihr Leben? Es gibt Leute, die behaupten, am Wohnstil eines Menschen erkennt man, welches Sternzeichen und welchen Aszendenten er hat. Bitte, auf mich mag dies ja zutreffen, jedoch weiss man meinen Schützen auch nicht zu schätzen, wenn mein Steinbock wieder einmal alle Gegenstände und Möbel in der Wohnung im rechten Winkel aufgestellt hat. Das mache ich übrigens mit einer ausgeprägten, fast schon fanatischen Genauigkeit, dass man glaubt, ich hätte meine Einrichtungsgegenstände mit der Wasserwaage ausgerichtet. Wahrlich, ein potenzieller Partner hat es nicht leicht mit mir. Jungfrauen sind meistens auch sehr sensibel, wenn es um Ordnung in der Wohnung geht. Ich kenne eine Jungfrau, die sortiert sogar die Bleistifte auf dem Schreibtisch nach Farbe und Grösse, bevor sie diese im exakt rechten Winkel nebeneinander legt. Pingelig, was! Was können Sie, lieber Besucher, aus den verschiedenen Wohntrends lernen? Helle und grosszügig geschnittene Räume sind besser als kleine dunkle Kammern, auch wenn man in manchen Wohnungen viele Räumlichkeiten vorfindet, zu klein ausgefallene Zimmer kann man nur als Besenkammern nutzen. Wenige, aber dafür hochwertige und grosse Möbelstücke sehen optisch besser aus und verleihen dem Raum eine gewisse Eleganz. Zu viel Nippes lenkt eher vom gemütlichen Wohnflair ab. Auf jeden Fall ist eines wichtig: Sie müssen sich in Ihren vier Wänden zu Hause fühlen, dann ist auch Ihre Seele zu Hause.
Sind Sie zufällig eine Hausfrau? Oder womöglich gar ein Hausmann? Dann kennen Sie ja das bisschen Haushalt auswendig. Was ist täglich zu tun? Ein bisschen Putzen, Bügeln, Kochen, ein bisschen Staubsaugen, Wäsche waschen, Betten machen, ein wenig mit dem Hund aufs Klo gehen, die Windeln des kleinen Babys wechseln und die Kinder versorgen, und wenn am Abend Zeit bleibt, ein bisschen dem Partner beim Nörgeln zuhören.
Das bisschen Haushalt artet in den meisten Fällen erst aus, wenn der Partner abends nach Hause kommt, einem den schweren Tag um die Ohren haut und über den Job im Büro meckert. Wehe, wenn dann noch der intakte, mit viel Liebe erledigte Haushalt kritisiert wird, dann droht die Scheidung, das kann ich Ihnen garantieren. Das bisschen Haushalt ist noch nicht zu Ende, denn der Hund hat auf den Teppich gepinkelt, das Baby hat es ihm nachgemacht, und die Kleine hat zum Ausgleich dafür das Auto mit Schokoladeneis vollgeschmiert. Gut, dass noch ein bisschen Teppichreiniger vom Vortag übrig ist, denn der Teppich wird noch einmal gründlich gereinigt, bevor er den Geist aufgibt und die Terrasse ziert. Das Auto muss gewaschen werden, denn am Nachmittag wird es nötigst für die Grosseinkäufe gebraucht. Und weil der Tag noch nicht zu Ende ist, müssen die Fenster geputzt werden, auf denen sich die Kinder mit ihren Fingern verewigt haben. Und da der Tag so schön regnerisch war, entledigt sich der Hund nach seinem letzten Klogang seiner Regentropfen im Fell einfach im Wohnzimmer auf dem geputzten Teppich. So bekommt man nasses Hundefell auch wieder trocken. Ob vielleicht noch ein wenig Teppichreiniger übrig ist? Ich schwöre, das bisschen Haushalt erledigt sich wie von Zauberhand, ohne einen erwähnenswerten Handgriff zu tätigen. Träumen Sie schon von Ihrer eigenen Wohnung, oder sparen Sie noch fleissig für ein neues Zuhause? Der Hund hat es da besser, denn er bewohnt im günstigsten Fall die schicke Hundehütte, welche er von Herrchen als kleines aufmerksames Willkommensgeschenk erhalten hat, oder er schläft notfalls bei Frauchen im Bett, solange Herrchen die Hundehütte bewohnt, wenn es Streit mit Frauchen gab.
Und Sie, möchten Sie jetzt auch Ihr eigener Hund sein? Übrigens dürften Sie dann nicht an den Kühlschrank gehen, solange Frauchen und Herrchen mit Adleraugen den kühlen Schrank mit kühlem Kopf bewachen. Hunde werden jedoch nach mehr als fünf Stunden der Alleinherrschaft im Haus ungeduldig und können bei Bedarf den gesamten Haushalt verwüsten. Hier wäre dann gegebenenfalls Ihre Chance zum Leeren des Kühlschranks. Na, haben Sie noch immer Lust, Ihr eigener Hund zu sein, oder kaufen Sie sich gleich Ihr Eigenheim? Heute geht ein Trend wirklich in Richtung Eigenheim, denn in den eigenen vier Wänden kann man vom Vermieter nicht versehentlich gekündigt werden, wenn der auf die Idee kommt, die schicke Mietwohnung als Eigenbedarf zu deklarieren. Ich würde Ihnen vorschlagen, sich ein Passivhaus zu kaufen, oder besser noch, zu bauen, falls Sie Lust verspüren, Ihr eigener Bauherr zu sein. Ein Passivhaus spendet immer frische Luft, auch im Winter, wenn man zu verfroren ist, um die Fenster regelmässig zu öffnen. Es speichert durch die grossen Glasflächen die Wärme des Sonnenlichtes und sichert uns einen wohlig warmen Winter in den eigenen vier Wänden zu. Wussten Sie bereits, dass es seit Neuestem auch Passivhäuser gibt, welche sich je nach Tageszeit drehen, damit die Glasfronten der Sonne zugeneigt sind und Sie das pure Tageslicht intensivst nutzen können? Da scheint Omas altes Guckloch, welches früher als Fenster diente, nicht mehr mithalten zu können. Ein Gegentrend in Sachen Immobilien hat sich übrigens besonders in den Städten breitgemacht, denn viele Menschen streben wieder danach, sämtliche Art von Infrastruktur und Unterhaltung direkt vor der eigenen Haustüre vorzufinden. Und deshalb werden Wohnungen im Stadtzentrum extrem teuer, denn man kann ja bei Bedarf die schalldichten Fenster schliessen, wenn man nachts das Bedürfnis nach Schlaf verspürt. Besonders die Automuffel zieht es wie Magneten in die Innenstädte, denn hier kann man früh am Morgen im Bademantel zum Bäcker, zum Metzger und in den nächsten Supermarkt schlendern, ohne dass man gleich zum rasant wachsenden Stadtgespräch wird. Versuchen Sie einmal im Dorf unbemerkt im rosaroten Morgenmantel zum Bäcker zu gehen. Vor der Haustüre werden Sie vermutlich bereits vom Nachbarn auf Ihr interessantes, luftiges Outfit angesprochen, denn das schickt sich wahrlich nicht. Schämen Sie sich bitte, denn Sie müssen im dem Dörfchen den Nachbarn schon um Erlaubnis fragen, ob Sie im Morgenmantel unterwegs sein dürfen. Ach ja, bevor ich es vergesse, die Lage der Immobilie ist wichtig. Denken Sie bitte auch daran, dass Sie altern und mit zunehmender Schwerkraft der Erdanziehung trotzen müssen, was Sie enorme Kräfte kosten könnte. Das kleine Holzhaus am Waldrand können Sie zwar billig erwerben, und das Gratisholz gibt es obendrein dazu, jedoch müssen Sie auch im Alter irgendwann einmal Ihre Einkäufe erledigen, und dann sind die Wege von Ihrer einst so kostengünstigen Holzhütte zum nächsten Einkaufszentrum sehr lange. Kalkulieren Sie bitte auch die Kräfte für den Rückweg ein, denn dann tragen Sie die Einkaufstüten als kleines Extra noch dazu. So günstig, wie Sie Ihr Holzhaus am Waldrand erstanden haben, müssen Sie es wieder verkaufen, wenn Sie sich im Alter vom Wald aus nicht mehr selbst versorgen können. Falls Sie die Hütte bis dahin noch nicht verheizt haben, findet sich ein junger, dynamischer Naturfreund, der das Haus kauft, wenn Sie dem Wohntrend, in die Innenstadt zu ziehen, folgen. Wenn Sie sich für Ihr Eigenheim entschieden haben, fallen im Laufe des Hauslebens immer wieder Renovierungsarbeiten an. Glauben Sie mir, so ein Haus lebt mit Ihnen mit, und es leidet unwahrscheinlich, wenn Sie es vernachlässigen. In einer Wohnung fallen auch manchmal Renovierungsarbeiten an, jedoch überlegt man es sich in diesem Fall, denn der Vermieter wirds schon richten.
Meine Eltern bauten einst ein wunderschönes Haus am Waldrand. In meiner Kindheit schämte ich mich für den jahrelangen Rohbau, den sie wie die Schildbürger in liebevoller Kleinarbeit zum blühen brachten. Meine Mutter sagte: Kind, die Balkone und Balkonbalken müssen gestrichen werden, denn das sieht schöner aus. In meiner Jugend zeigte ich all meinen Freunden Fotos von unserem stolzen Haus, denn irgendwann hatten es die Schildbürger fertiggebracht, den ewigen Rohzustand des Hauses fertigzustellen. Jawohl, meine Freunde konnten kommen und die Tage feiern, wie sie fielen. Als ich meine eigenen Wege ging und längst nicht mehr zu Hause wohnte, schämte ich mich wieder für unsere grosszügig ausgerichtete Holzhütte am Waldrand, denn meine Mutter sagte: Waren wir damals blöd, als wir die Balkone und Balken gestrichen hatten, denn jetzt verfällt das Ganze zu Brennholz. Wahrlich, das Leben ist ein Kreislauf. Meine Eltern sind mittlerweile uralt und schauen im Frühling den Maulwürfen beim unterirdischen Hausbau im Garten zu. Sie lassen alles verwildern, denn sie hatten damals nicht damit gerechnet, eines Tages alt zu werden. Sie, lieber Besucher, sollten dies berücksichtigen, denn Ihre Kinder könnten eines Tages eigene Wege gehen und im Ausland eine Immobilie erwerben. An einem Haus kann man täglich arbeiten, wenn man möchte. Übrigens ist mein aktueller Lebenspartner der geborene Heimwerker in unserem Zuhause mitten in der Stadt. Ich warnte ihn vor eventuellem Schaden, doch er wollte nicht hören, denn auf seinem Heimwerker Ohr ist er taub. Wir bestellten einen neuen Gefrierschrank, damit unsere leckeren Lachshäppchen ein neues Zuhause bekommen. Die Kühltruhe war noch nicht da, aber mein Partner bohrte bereits einen geeigneten Kabelkanal inklusive Kabel quer durch die Küche, damit der Gefrierschrank gleich wusste, wo es für ihn entlang ging, wenn er ankam. Als der Schrank in all seiner eisgefrorenen Pracht vor uns in seiner Ecke stand, war der Kabelkanal überflüssig und musste wieder entsorgt werden, wobei sich mein Partner seinen ehrgeizigen Heimwerkerfinger verletzte. Ich schwöre, den nächsten vorschnell angelegten Kabelkanal verlege ich, denn bald kommt unser neuer Fernseher an. Wie schafft man es eigentlich, schicke Wohnaccessoires in der Wohnung zu verteilen, ohne dass man sein Zuhause zumüllt? Mein brandaktuelles Wohnaccessoire ist derzeit eine Schachtel voller Klamotten, welche ich der Altkleidertonne spenden möchte. Die Schachtel steht mitten im Wohnzimmer und versperrt mir den Weg zu den Warhammer Soldaten, welche auf die Wohnung aufpassen.
Und warum steht sie da? Weil ich täglich ein bis mehrere Male an der Kleiderschachtel vorbei gehe, sie öffne und doch noch das eine oder andere Kleid wieder zurück in meinen Schrank hänge. Mein Kleiderschrank hat mittlerweile bereits das geruchsintensive Flair der Schachtel angenommen. Ich schwöre, demnächst kommt das extravagante Möbelstück weg, zwischen den Jahren entsorge ich es bestimmt. Wussten Sie eigentlich, dass man in den Bruchteilen von Sekunden, die zwischen den Jahren liegen, alles erledigt, wofür man nie Zeit hat? Womöglich gehe ich mit meiner Kleiderschachtel in Rente. Vor der Haustüre meiner Freisinger Wohnung standen einst auch richtig extravagante Wohnaccessoires. Da stapelten sich drei Kartons mit Zeitungsmüll und alten Plastikverpackungen, meine uralten, in die Jahre gekommenen Schuhe, ein Teppich mit Scherenschnitt, da ich ihn einst ein wenig zugeschnitten hatte, ein defekter Deckenleuchter und ein abgebrochener Besenstiel, der aus meiner Hexenzeit stammte. Ich stellte eine riesengrosse künstliche Zimmerpflanze vor meine Wohnaccessoires, damit nicht versehentlich der Eindruck entstand, dass meine eleganten Kleinmöbel bloss ein Haufen voller Müll wären. Und da ich ein pingelig sauberer Mensch bin, entsorgte ich das Zeug nach drei Jahren, denn solche Arbeiten muss man schnell erledigen. Wenn übrigens jemand zu Besuch kam und meinen Vorbau vor der Haustüre sah, traute er seinen Augen kaum, wenn er die Wohnung betrat, denn drinnen standen alle Möbel übersichtlich im rechten Winkel, und die Wohnung glänzte in edlem, aufgeräumten Design. Wohnaccessoires sind eine reine Geschmackssache und liegen im Auge des Betrachters. Manchmal liegen sie im Weg herum und müllen einen Raum vollkommen zu, ein anderes Mal passen sie als zuverlässige Dekoration zu den restlichen Möbeln und sorgen für ein gemütliches Raumklima. Ich kaufte mir einst einen gelben Sessel in Form eines Mondes. Das Teil sah im Wohnzimmer aus, als ob der Mond versehentlich vom Himmel genau in meine Wohnung gefallen wäre und als Krater in mein zuverlässig elegantes Wohnflair eingeschlagen hätte. Keine Kompromisse, er musste auswandern, und deshalb stellte ich ihn ins Schlafzimmer und belagerte ihn mit Klamotten. Nicht dass Sie mir jetzt auf die dumme Idee kommen, ich wäre ein Messie, aber manchmal können Kleiderschränke einfach zu klein werden. Zu Ihrer Beruhigung: Ich tauschte den Mond nach einer Weile gegen einen aufblasbaren Wassersessel aus, denn irgend einen Fehltritt in der Wohnung muss man sich ja leisten. Der Mond gesellte sich vor die Haustüre, denn da war er in bester Gesellschaft, bis er schliesslich entsorgt wurde. Seitdem, Sie werden es in wolkenverhangenen Nächten bereits entdeckt haben, steht kein Mond mehr am Himmel und bescheint uns mit seinem kargen Licht. Verfolgen Sie auch die aktuellen Wohntrends? Früher kaufte man sich eine Qualitäts-Couch aus Leder und wartete die nächsten fünfzig Jahre geduldig, bis das Möbelstück den Geist aufgab. Heute kauft man sich ein trendiges Sofa in pink und wartet geduldig auf das nächste Jahr, in dem die Farbe gelb in Mode ist und man sich vom alten Sofa leise verabschieden kann. Länger halten günstige Trendmöbel ohnehin kaum.
Ich richtete mir meine Wohnung eines Tages im Feng Shui Look ein, da dieser Trend gerade angesagt war. Beim Ausmessen der Planquadrate nach Feng Shui Lehre fand ich heraus, dass sich mein Karriere-Eck im Klo befand. Seitdem überlege ich, wie ich meinen Schreibtisch im Klo aufstellen kann, sodass andere Leute noch mühelos in meinem Karriere-Eck auf die Toilette gehen können. Ich beheize mein Karriere Klo im Winter auch, denn wenn ich eine längere Sitzung, eine Besprechung mit mir selbst habe, muss es gemütlich warm am Häuschen sein. Liebe Besucher, Sie sehen schon, nicht jeder Wohntrend verdient es, ausgelebt zu werden. Manche Haushalte sind nicht für jeden letzten Wohnschrei geeignet. Feng Shui kann ich jedoch zu jeder Zeit empfehlen, solange man es nicht übertreibt. Kennen Sie schon den eigenwilligen Wohntrend der 100 Kleinigkeiten? Man mistet seine Wohnung bis auf die 100 wichtigsten Utensilien aus und lebt im Stil des reduzierten Minimalismus. Ich musste es natürlich sofort ausprobieren und lagerte meine Sachen im Keller ein. Man kann ja nie wissen, wann und ob man die Dinge wieder brauchen kann. Mit noch so viel Mühe und gutem Willen konnte ich mich nicht von meinem Kleiderschrank, vom Schuhschrank und den Modeaccessoires trennen. Und da sogar meine Handtaschen die 100 Kleinigkeiten übertrafen, einigte ich mich auf 10000 Kleinigkeiten und lebe jetzt wieder wie ein normaler Mensch. Das Projekt Minimalismus im Haushalt scheiterte bei mir nach einiger Zeit der kleiderarmen Entbehrung und musste abgebrochen werden, als ich ahnungslos bei Zara vorbei schlenderte und schicke Kostüme in allen Farben entdeckte. Haben Sie diesen übersichtlichen Wohntrend auch schon ausprobiert? Ein anderer Wohntrend geht in Richtung edle Eleganz. Hier benötigt der hell ausgefallene, hochwertig gehaltene Raum Luft zum Atmen und deshalb nur wenige, aber dafür grosse Möbelstücke. Abgerundet wird das Wohnflair durch eine riesengrosse Palme, die natürlich teuer aussehen muss. Ich bin beispielsweise so ein Liebhaber des eleganten Wohnstils, denn schon alleine ein breiter Raum, in dem nur die nötigsten Möbel stehen, lässt mich zügig ohne gröbere Verletzungen von der Eingangstüre bis auf die Terrasse spazieren. Ich liebe es eben aufgeräumt, auch wenn mich manchmal der kreative Wahnsinn in den Wahnsinn treibt und ich lauter Dinge um mich scharre, die nicht einmal ein Hund zum Überleben braucht. |