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Der Brainport - Sehen mit der Zunge und dem Gehirn

augenKennen Sie schon den Brainport? Übrigens, sind Sie zufällig gerade ein bisschen blind? Der Brainport ist eine neue Erfindung in der Augenforschung. Er ermöglicht es Blinden mittels ihrer Zunge wieder ein wenig zu sehen. Auf der Zunge lutscht man eine Art Lolli, der Bilder ans Gehirn liefert. Mit einer Brille und einer kleinen Kamera ist dieser Lutschlolli verbunden.

Durch die Zungenstimulation kann der Blinde dann mit ein wenig Übung seine Umwelt wahrnehmen. Im Moment sieht man damit aus wie Puck die Stubenfliege, aber es gibt ja immer noch die Chance, dass diese Geräte kleiner und unsichtbarer werden. Man sieht ja nicht mit dem Auge alleine, sondern mit dem Gehirn. Die Augen sind ja nur der Lieferant für die Weltbilder, für alles, was wir sehen. Wenn die Augen nicht mehr funktionieren, muss eben ein anderes sensibles Sinnesorgan gefunden werden, womit man sehen kann. Im Moment werden die Bilder der Umwelt in schwarz weiss ausgegeben.

Ich habe mir überlegt, muss es denn eigentlich unbedingt die Zunge sein, mit der man das Hilfsmitel gegen die Blindheit steuert? Ich denke ja nur daran, dass dies beim Küssen stört. Vielleicht findet man ja ein anderes, versteckteres Körperteil, mit dem man seine Sehzellen im Gehirn anregen kann, vielleicht das Ohr? Und das Kabel vom Lolli zur Brille könnte man ja mit einer Art unsichtbarer WLAN Lösung kaschieren. Nun, wir werden sehen, wie die Augenforschung auf diese tollen Anregungen reagiert.

Derzeit kostet so ein Blindenstockersatz ungefähr elftausend Euro und ist noch in der Testphase, also nicht am freien Markt erhältlich. Bis es soweit ist, schwingen Sie bitte geduldig Ihren Blindenstock und laufen Sie nicht in die nächste offene Türe hinein, denn das tut dem Hirn nicht gut.

 

Das Sehen mit der Zunge in der realen Testphase

Jetzt hat der erste Blinde wieder das Licht der Welt erblickt. Mit der Zungenstimulation, einem Chip und einer Brille kann er Gegenstände erkennen. Einmal hatte ich mit einem Augenarzt darüber gesprochen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies die Zukunft des Sehens werden könnte. Jetzt werde ich erst einmal Tee trinken und die Sache mit dem Sehen mittels der Zunge aussitzen.

Ich sitze gerne Sachen aus, denn viele Dinge regeln sich dann von ganz alleine. Was denken Sie lieber Besucher? Sind Sie zufällig blind und möchten Ihre Geschmacksnerven als neue Augen verwenden? Dann hätten Sie auch beim Essen genussvolle Augenblicke zu erwarten. Ich persönlich warte in dieser Sache noch ein wenig ab, denn meine überdimensionale Vision, die schon fast an den Grössenwahnsinn grenzt, ist eine Augentransplantation.

Dann lasse ich mich auf eine Liste für blaue Augen setzen, denn ich wollte schon immer blaue Augen haben. Manche Leute sagen, ich bräuchte bloss gegen einen Schrank zu laufen, und schon wäre die Sache mit meinen blauen Augen gelöst. Kommen wir zurück zum Ernst der Augenforschung. Jetzt ist die Zunge bei einem Blinden bereits im Einsatz. Ich habe mir überlegt, wie stark man etwa damit sehen kann?

Wie wirkt sich der Sehapparat mittels Zunge, Brille und Chip auf das soziale Leben der Menschen aus? Ich bin beispielsweise ein eitler, etwas eingebildeter und arrogant angehauchter Mensch und könnte mich nur schwer an diese Brille gewöhnen. Ich trug ja schon früher Kontaktlinsen, obwohl ich keine haben hätte dürfen, wegen meiner Unverträglichkeit von Kontaktlinsen.

Heute achte ich noch peinlichst genau darauf, dass mein Blindenstock optisch zur Kleidung passt. Aber was will man denn von einem Menschen erwarten, dessen grösste Sorge vor seiner Augenoperation war, dass die Haare nicht von einem Pflaster verschluckt werden, und der abgebrochene Fingernagel schnell wieder nachwächst? Jetzt weiss ich nicht, ob so ein Sehen mit der Zunge für mich in Frage kommt. Wie sieht es mit Ihnen aus, lieber Besucher? Haben Sie schon einmal eine Brille getragen, mit der Sie förmlich zur Stubenfliege wurden?

Andererseits habe ich Menschen kennengelernt, die Ihre Augentropfen nicht genommen haben, weil ihre Wimpern buschiger wurden. Das wiederum fand ich so fahrlässig, dass es schon weh tat, denn es gibt nichts Besseres, als mit allen möglichen Therapien sein Sehvermögen zu retten. Ja, das Zungenauge, das Auge, das man förmlich auf der Zunge trägt. Was sind die Langzeitauswirkungen auf die Zunge? Verändert sich vielleicht die Geschmackswahrnehmung im Laufe der Jahre?

Ich habe mir nur kurz Gedanken darüber gemacht, wenn ein Sinnesorgan Teile eines anderen Sinnesorgans übernimmt, dann muss es mehr leisten, als nur seine Hauptaufgabe. Wenn man plötzlich seinen Geschmackssinn verliert, gehen damit Genuss und Lebensfreude verloren. Dann sieht man nicht optimal und leidet an Geschmacksverwirrung. Trotzdem, die Augenforschung ist damit einen Schritt weitergekommen, denn nun könnte man dieses Verfahren ja in andere Richtungen ausweiten und weiterforschen.

Und eine positive Idee ist das Sehen mit der Zunge schon. Immerhin, viele Blinde sehen darin ihre Chance, wieder sehen zu können.

Ist der Brainport eine verrückte Vision?

Verrückte und wirklich kreative Augenforscher haben sich einfallen lassen, eine Methode zu entwickeln, mit der man mit der Zunge sehen kann. Mittels Zungenstimulation möchten die Forscher Menschen zum Sehen bringen. Ist das nicht etwas makaber? Ich weiss nicht, ob das die Zukunft des neuen Augenlichtes werden wird, denn mit der Zunge möchten die wenigsten Menschen sehen lernen.

Da würde das Sprichwort - Mir hängt die Zunge bis zum Hals - eine ganz neue Dimension bekommen. Da würden manche Menschen ja mit ausgestreckter Zunge herum laufen. Liebe Augenforscher, bitte lassen Sie sich etwas Dezentes in Sachen Augenforschung einfallen. Setzen Sie sich weiterhin für die Erfindung der Augentransplantation ein, dann haben wir alle neue Augen.

 

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Impressum   © Elisabeth Putz

 

 

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