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Glaukom Erfahrungen - blind trotz Therapie und Augenoperation

augenIch erkrankte einst an einem Glaukom, ich bekam den sogenannten grünen Star am Auge. Bis zu meinem 27. Lebensjahr sah ich auf einem Auge zusammen mit meinen trendigen Kontaktlinsen wirklich haarscharf, ja beinahe normal. Mein linkes Auge wollte bei der Geburt nicht so recht mitarbeiten, deshalb trage ich hier ein Glasauge, welches ich vor lauter Eitelkeit immer versucht habe zu verstecken und zu kaschieren.

Und plötzlich stolperte ich über meinen Geschirrspüler. Als ich in ein stehendes Fahrrad, ein parkendes Auto und in meine Nachbarin hinein rannte, glaubten die Leute, ich hätte etwas genommen, was man nicht nehmen sollte. Welch eine Schande, denn ich trinke nicht einmal Alkohol, wenn es nicht unbedingt sein muss. Zudem gehöre ich zu den Passivrauchern, wenn es nicht anders geht.

Also bitte, wie könnte ich dann bloss auf die Idee kommen, etwas gesellschaftlich Verbotenes zu nehmen? Da ging ich wieder zum Augenarzt, obwohl ich vier Monate zuvor ohnehin dort gewesen war. Mein Augendruck war 72, wahrlich zu hoch. Ich nahm brav die Augentropfen und machte meine Therapie. Nun war ich Stammgast beim Augenarzt in Deutschland und in Österreich.

Ich sage Ihnen, Privatpatientin zu sein, ist besser, als Kassenpatientin sein zu müssen. Das fand ich heraus, als meine private Krankenversicherung der Meinung war, sie versucht es einmal ohne mich, denn das ist einfach wirtschaftlicher. Aber die Österreicher hatten Erbarmen mit mir, denn da bin ich ja Kassenpatientin. Ich lebte also in Deutschland weiter wie bisher, machte meine Augentherapie und zahlte ab jetzt meinen Augenarzt selbst.

Ich lebte und arbeitete in München und in Dresden, denn meine zwei Unternehmen wollte ich nicht aufgeben, also war ich Stammgast bei der Lufthansa und flog hin und her. Immer wenn ich in Dresden ankam, dachte ich mir, die Stadt sei hässlich, weil da andauernd Nebel war. Aber in Wirklichkeit lag das an meinem hohen Augendruck, den ich trotz peinlichst genauer und intensiver Therapie nicht senken konnte.

 

Mein Glaukom und die Naturheilkunde - der trendige Heilpraktiker

Nun, seit der grüne Star bei mit einzog, hörte ich nur noch überall die Vögel zwitschern. Mittlerweile nahm ich drei verschiedene Augentropfen zur Senkung des Augendrucks, Alphagan, Cosopt und Xalatan, und ich schluckte brav 500 mg Diamox täglich. Mein Augendruck war trotzdem bei 45. Ich bin ein Verfechter und Liebhaber der Naturheilkunde, und vor allem des natürlichen Lebens.

Da dachte ich mir, ich spaziere einmal zum Heilpraktiker. Die Begegnung war richtig ausserirdisch, denn der erste Satz des Heilpraktikers war, er ist verheiratet und hat ein Kind. So genau wollte ich es gar nicht wissen, der sollte sich um mein Auge kümmern. Ich begann dann also zusätzlich zu meiner medizinischen eine osteopathische Therapie und widmete mich alternativen Heilverfahren. Als der Heilpraktiker sich immer mehr um mich als um meine Augen kümmerte, hatte er einen sehr sensiblen Nerv bei mir getroffen, nämlich den Herznerv, und ich verliebte mich. Als es ausartete und wir bereits beim privaten Essengehen und Händchenhalten angekommen waren, konnte ich nicht mehr so weitermachen und verabschiedete mich von ihm.

Wir machten zum Schluss einen richtigen Eiertanz, denn wenn sich die Liebe mitten in einen Misthaufen setzt, führen Realität und Gefühle so einen Kampf miteinander, dass mir ganz schwindlig beim Zusehen wurde. Ich suchte mir einen neuen Heilpraktiker, bei dem die Therapie wirklich sachlich voran ging. Nun, mein Privatleben schwamm den Bach entlang ins Meer hinein, denn ich trennte mich von meinem damaligen Lebenspartner. Oder hatte er sich von mir getrennt? Zumindest war er der verrückteste Mann in meinem Leben, von dem ich aber auch Vieles lernte. Ich verkaufte meine Firma in Dresden erst, als ich die Verträge beim Notar nicht mehr lesen konnte und nur noch unten blind unterschrieb.

Meine Augenoperation in der Schweiz - das Glaukom muss weg

Ich stolperte mittlerweile über meine eigenen Beine, denn die Therapien der letzten vier Monate seit Beginn meines hohen Augendrucks brachten nicht wirklich den grossen Durchblick in meinem Sehnerv. Also spazierte ich nach Österreich, nach Innsbruck in die Augenklinik. Oh weh, meine Eltern und die halbe Verwandtschaft spazierten gleich mit mir mit.

Tante Anni, Onkel Rudi, Onkel Franz, Tante Hilda, ja, alle waren sie live im Krankenhaus dabei. Onkel Franz spürte gleich selbst einen hohen Augendruck an sich. Ich war mit meinem Fanclub wahrlich nicht alleine. Ich ging dann zu einem dieser Augenärzte und meinte, bei mir sitzt ein Glaukom fest, das müssen wir heraus operieren. Der Arzt sah mich ungläubig an, fragte, ob das mein Ernst sei und konnte mit meiner Gelassenheit nichts anfangen.

Er zeigte mir ein Buch eines Schweizer Glaukomspezialisten und meinte, in der Schweiz sei ich in besten Händen, denn die Wiener könnten bestimmt nichts mit mir anfangen. Lesen war seit einiger Zeit nicht mehr meine Stärke, also musste mir der Arzt das Buch vorlesen. Damit wir nicht die ganze Nacht mit Lesen verbrachten, erzählte er mir einfach ein paar Eckdaten aus dem Buch, während ich ihm einige lustige Episoden aus meinem Leben mit Glaukom berichtete.

Als ich mit dem aufmerksamen Arzt Hand in Hand durch die Innsbrucker Uniklinik spazierte, auf der Suche nach etwas Essbarem, nach einer köstlichen Diamox Tablette, rief meine Tante Anni: “Schau, unsere Elisabeth hat sich einen Doktor geangelt!” Meine Mutter rief entsetzt: “Nein, bitte nicht schon wieder, sie soll lieber endlich ihren eigenen Doktortitel machen und mit dem Studium fertig werden!”

Wenn man die halbe Verwandtschaft als verlängerten Schweif wie eine Sternschnuppe hinter sich her zieht, muss man gelegentliche Peinlichkeiten in Kauf nehmen. Hört nicht beim Geld ohnehin die Verwandtschaft auf? Nun hatte ich aber allen Respekt vor der Schulmedizin, denn ich bin doch rein auf die Natur eingestellt. Ich könnte mir ja diesen Doktor in Basel ansehen und mich eventuell von ihm operieren lassen, dachte ich und packte den Koffer. Immerhin, in der Schweiz war ich Privatpatientin und lebte wie in einem Hotelbetrieb.

Mein erstes Glaukom Loch im Auge

Ich konnte es selbst nicht glauben, aber ich liess mich am Auge operieren. Meine Freunde meinten, die Österreicher würden es ohnehin nicht hinbekommen, deshalb sei die Schweiz besser, wenn ich noch etwas sehen wollte. Am Tag meiner Operation bekam ich morgens eine Tablette. Die hätten sie mir lieber nicht geben sollen, denn danach war ich high. Ich wurde nur örtlich betäubt, deshalb dachte ich nicht an eine ernsthaft grosse Augenoperation.

Ich wackelte völlig high und vollkommen angezogen in meinem roten Lieblingskleid dem Krankenpfleger entgegen. Der meinte, ich muss doch wieder ins Bett gehen. Ich dachte mir, das Operatiönchen könnten wir gleich im Sitzen erledigen, aber der Pfleger sagte, im Liegen ist es viel bequemer und trug mich ins Bett. Kommen Sie jetzt bitte auf keine falschen Gedanken, denn eine halbe Stunde später wurde ich bereits aufgeschnitten.

Ich wollte mir noch schnell irgendwo eine Packung Tampons kaufen, denn man weiss ja nie, wann eine Frau solche Stopfstäbchen brauchen kann. Als mich der Pfleger unter Protest zurück ins Zimmer trug, traute ich meinen Augen nicht. Mitten im Raum stand meine neue Zimmernachbarin in einem roten Pyjama und reichte mir die Hand. Ich kniete vor ihr nieder, da ich in meiner geistigen Umnachtung dachte, es wäre ein roter Gebetsteppich.

Was so eine kleine, unscheinbare Beruhigungstablette so alles anrichten kann! Auf dem Operationstisch wirkten die örtlichen Betäubungsmittel gerade mal so, dass ich völlig high und wach war. Ich erzählte intime Details aus meinem Privatleben und wollte meinem Operateur während der Operation eine Anlageimmobilie verkaufen, als ich bemerkte, dass dieses Finanzmodell in der Schweiz nicht funktioniert. Ich war mittlerweile ein richtiger Unterhaltungsfaktor in diesem Krankenhaus, denn ein Wurm ist immer dabei.

Der Glaskörper musste daran glauben - der grüne Star ging in die zweite Runde

Nach der Augenoperation hatte ich einen künstlichen Augenkanal für das Abfliessen des Kammerwassers bekommen, eigentlich war es ein einfaches Loch. Ich sah aus wie Quasimoda, denn ich hatte einen blau roten Bluterguss von der Stirn bis zur Wange. Ich wollte schon nach Hause gehen, da meinte mein Schweizer Glaukomarzt, ich sollte doch noch ein paar Tage das gute Essen und den Sonnenbalkon geniessen.

Und schwups löste sich meine Aderhaut vollkommen ab. Ich erschrak mächtig, denn ich konnte absolut nichts mehr sehen, ausser einen grauen Nebel. Ich bin ohnehin nahe am Wasser gebaut und heulte los. Jetzt dachte ich an mein Bauchgefühl, auf das ich nicht hörte, denn es sagte mir, die Schulmedizin wird mir einmal richtig auf den Fuss treten, sodass mir das Sehen vergeht.

Warum hört man so selten auf sein Bauchgefühl? Nun, mein Augendruck war bald wieder richtig hoch, und juhu, meine Aderhaut legte sich wieder am. Ein kleines Problem gab es allerdings noch: Ich hatte unerträgliche Schmerzen, und das heisst viel, denn ich halte einiges an Schmerzen aus, wenn ich will. Mein Glaskörper musste raus. Ich dachte mir, ich bekomme einen schicken, edlen neuen Glaskörper, dabei wurde das Teil nur mit Wasser aufgefüllt.

Und da ich anscheinend nicht genug abbekommen hatte, stieg der Augendruck wieder und ich durfte noch zwei Mal auf den Operationstisch. Die Folge daraus waren Blutungen und jede Menge Komplikationen. Ich fühlte mich komisch, denn ich konnte nichts mehr sehen. Tisch, Bett, Klo und Bad, ja sogar der Sonnenbalkon und alle Menschen verschwanden, weil ich nichts mehr sah.

Jetzt könnte ich mir einen sprechenden Papagei zulegen, der als Navigationssystem agiert, denn ein Blindenhund macht zu viel Arbeit, dachte ich. Blind verliess ich die Augenklinik. Der Spass war teuer, finanziell und mental, denn er kostete mich eine Stange Geld und mein Augenlicht. Gefühlsmässig richtete ich natürlich auch wieder ein kleines Caos an, wie könnte es auch anders sein.

Ich fand zufällig einen Pfleger und einen Asistenzarzt gleichzeitig sympathisch. Mit einem milchartigen weissen Ausblick sieht man die Attraktivität der Menschen auf den ersten Blick. Als mein bester Freund mich aus dem Krankenhaus abholte, machte er dem kleinen Liebelein ein Ende, indem er mich küsste und an sich zog. Übrigens sind heute der Pfleger und der Assistenzarzt in der Hirarchie der Hühnerleiter einige Sprossen nach oben gestiegen.

Vielleicht hätte ich doch ein wenig mehr fokusieren sollen, denn die Frau eines Chefarztes zu sein, ist auch nicht übel. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man selbst für sein finanzielles und gesellschaftliches Wohl sorgen sollte, denn mann weiss nie, ob sich der Ehepartner nicht eines Tages eine Scheidung gönnt. Als ich in die Schweiz kam, konnte ich noch Zeitung lesen, jetzt bemerkte ich nicht einmal, dass eine Zeitung vor mir lag.

Alle Ärzte, die das mitverfolgten, dachten im Traum nicht mehr daran, mich jemals noch einmal zu operieren. Irgendwie bin ich anders und passe nicht in die Norm, denn bei anderen Patienten funktioniert so ein Eingriff routinemässig.

Mein Leben mit Glaukom - der grüne Star und ich

Zu Hause betreuten mich meine vier besten Freunde und meine Vermieterin. Ich hatte starke Schmerzen und sass täglich beim Augenarzt. Auf Österreich hatte ich wirklich keine Lust, und in Deutschland musste ich mir jede Reha Massnahme selbst bezahlen, weil ich doch Österreicherin bin. Ich bin ein schneller Problemlöser und ein aktiver Mensch, deshalb rief ich auch gleich beim Blindenbund an und liess mich beraten.

Und während ich so nachdachte und die Gemüsesuppe meiner Vermieterin löffelte, sah ich plötzlich meinen Löffel wieder, den ich in der Hand hielt. Ich lief sofort zu meinem Augenarzt, denn so ein Süppchen war jetzt nicht mehr interessant. Und während ich meinem Augenarzt sein Stück Kuchen vor der Nase wegfutterte, erblickte ich wieder die ersten Umrisse. Mein Sehvermögen kam wieder.

Gesetzlich galt ich als blind, aber das kümmerte mich nicht, denn ich gründete eine Kunstagentur und vermittelte Künstler an Galerien. Bilder konnte ich ja jetzt wieder sehen, und da ich unbewusst eine Marktlücke entdeckt hatte, rannten mir die Künstler die Türe ein. Das Leben mit meinem Glaukom war schon sehr gewöhnungsbedürftig, denn man muss immer schauen, dass der Augendruck niedrig genug ist.

Bei meinem Sehvermögen von 10 Prozent durfte der Augendruck nicht mehr steigen, denn jede Sehzelle war wertvoll. Mein Blindenstock verschwand jedenfalls nach einmaligem Gebrauch wieder in der untersten Schublade. Ich machte keine Rehamassnahmen, sondern lebte wieder in der Welt der wunderbaren Sinneseindrücke. Jetzt hatte ich wieder alles, nur keinen Lebenspartner.

Den bestellte ich mir beim Universum, und prompt, er kam. Es gab nur ein kleines Problem, er lebte in Österreich, und zwar in der Stadt, die ich am wenigsten mochte, in Klagenfurt. Was mache ich bloss mitten unter den Lindwürmern, dachte ich, aber die Liebe war grösser als mein Verstand. Ich folgte meinem Bauch und zog tatsächlich nach Klagenfurt. Mein grüner Star, der Vogel, fragte mich, ob ich einen Vogel habe, und zog mit mir mit.

Nur mein Augenarzt blieb in Deutschland traurig zurück und ass nun seine Kuchenstücke alleine. In Klagenfurt musste ich mir alle Annehmlichkeiten, die das Leben so ausmachten, neu organisieren, aber ich bin ein Mensch, der sich schnell anpasst. Meine Eltern und Verwandten waren jedenfalls glücklich, wenigstens die, denn Klagenfurt blieb immer eine Herausforderung für mich. Meine Vermieterin wollte meine Wohnungskündigung nicht annehmen, aber meine Büroräume standen ja noch in Freising, also fuhr ich hin und her und war einer der treuesten Kunden der Bahn, treu wie ein Hund.

Ich probierte immer die neuesten Augendrucktropfen aus, die es am Markt gab und nahm zum Schluss Duotrav. Mitten in meinem Vergnügen rund um Klagenfurt und die Lindwürmer stieg mein Augendruck wieder an. Vielleicht war es der Erfolgsdruck, denn ich war wie eine kleine Kampffliege und wollte meinen Lebenspartner immer dazu bewegen, nach Deutschland oder wenigstens nach Salzburg zu ziehen.

Jetzt ging es wieder los mit meinem Glaukom, der grüne Star wollte einfach nicht aus meinem Auge ausziehen und baute sich stattdessen sein neues Nest in mir. Ich dachte lange darüber nach, wieder alleine nach Deutschland zu gehen, denn in Klagenfurt war ich nicht glücklich. Und genau in dieser Zeit verlor ich wieder ein paar sensible Sehnervchen. Jetzt musste ich mir wirklich einen neuen Beruf suchen, denn ich sah die Eingangstüren zu den Galerien nicht mehr, und die Bilder aller Künstler waren plötzlich kritiklos schön.

Deutschland Adieu! Wie wäre es mit einem Onlineportal im Internet, dachte ich und kaute zum ersten Mal so richtig an meinen Fingernägeln. Das war eine Sensation, denn meine Fingernägel sind wunderschön, mein Stolz und meine Krallen, falls mir jemand zu nahe kommt. Ich gründete also die Agentur Elisabeth Putz und genoss den Aufbau meiner Firma mit all seinen hundert Misserfolgen, die ich als Zwischenergebnisse ansah.

Jetzt machte ich das, was ich immer tun wollte, wo meine Talente vergraben waren, als Autorin schreiben und reden. Dabei wollte ich eigentlich nicht mehr als Autorin arbeiten, weil ich mit meiner urkomischen Art immer in die Comedyschachtel geworfen wurde.

Das Glaukom muss wieder weg - der grüne Star und die Wiener

Mittlerweile hatte mich der grüne Star echt fest im Griff. Morgens wachte ich mit einem mulmigen Gefühl auf und schaute gleich als Erstes nach, ob ich noch etwas sehe. Mein österreichischer Augenarzt schickte mich zur österreichischen Glaukompäpstin, zur Vorsitzenden der Glaukomkommission.

Die Ärztin war sehr korrekt, hammerhart und brachte mich zum Heulen, da ich mit einem hohen Augendruck nicht richtig denken kann und so nahe am Wasser gebaut bin. Ich wollte den weiblichen Glaukom Papst wirklich nicht auf die Nervenstränge treten, aber als sie mir erzählte, man müsste mich erneut operieren, fragte ich unschuldig wie ein Pferd mit Dummkoller nach, ob man das Glaukom nicht einfach mit einer guten Ernährung ausrotten könnte.

So etwas war sie bestimmt nicht gewohnt und schrieb folgendes Attest: “Die Patientin leidet unter einer Realitätsverdrängung. Ich wollte sie nicht zum Heulen bringen, kann ihr aber mit der ganzheitlichen Medizin nicht helfen. Eine Laseroperation wäre möglich, ansonsten eine Drainage, was aber ein Höllenritt über den Bodensee wäre.” Mit meinem letzten Sehrest spazierte ich nach Wien ins AKH.

In Österreich muss man sich erst bewerben, um als Patientin angeschaut zu werden, dachte ich und nahm zwei Tage später mein Vorstellungsgespräch bei den Wienern wahr. Ich wollte die neuesten Geräte, den besten Arzt, den Österreich zu bieten hat, alles andere war mir egal. In der Schweiz stimmte der Service, aber der war mir jetzt egal, ich wollte diesmal, dass man ein Wunder bewirkt.

Ein Wiener Glaukomspezialist operierte mich diesmal. Ein optimistischer Augenarzt, der mir erklärte, dass er mir ein Röhrchen implantiert, welches mein Problem löst. Wieso nicht gleich ein ganzes Kanalsystem, dachte ich mir, während der Arzt davon sprach, dass dies eine saubere Handwerkersache sei. Ich kam mir schon vor, wie ein Zementsack am Bau, als er von seiner Handwerksarbeit sprach. Eine Woche später lag ich bereits unter Vollnarkose, denn da konnte ich wenigstens nicht so viel Unsinn reden.

ie Operation verlief wirklich gut, ich habe sogar die Narkose überlebt und wollte auch schon wieder nach Hause gehen, als der Arzt mir riet, noch ein wenig zu bleiben. Gut, dann esse ich eben noch ein wenig Haferschleimsuppe und harre aus, dachte ich mir. Die haben zwar hier keinen Hometrainer, keinen Sonnenbalkon, kein Gourmetessen, aber ich mag die Wiener.

Mitten in meinem Aufenthalt im Bett passierte es, ich bekam eine Blutung hinter der Netzhaut, dabei hatte ich den Augenarzt noch gefragt, ob er ein ruhiges Händchen hat. Warum muss mir das Tage später passieren? Kein Wunder, dass mich kein Arzt mehr freiwillig angefasst hat! Jetzt war ich stockblind und duellierte mich förmlich verbal mit einem unbekannten Arzt, der gerade Dienst hatte.

Ich glaube, ich habe ihn versehentlich am Arm gekratzt, denn ich verweigerte jeden weiteren Eingriff. Wie gut, dass ich so tolle Fingernägel besitze. Mein Glaukomarzt kümmerte sich in den nächsten Wochen rührend um mich, bis er Bauchsachen bekam. Er rief mich an und wollte mich sehen, obwohl es nicht mehr um die Augen ging. Er sprach von irgendwelchen Bauchsachen, die ich nicht einordnen konnte. Wie gut, dass das Glaukom Ärztchen auch Kopfsachen besass.

Vielleicht sind es Schuldgefühle, vielleicht tue ich ihm leid, vielleicht ist es die pure Bewunderung für mein arrogantes und eingebildetes Hyänenwesen, dachte ich und bastelte ab diesem Zeitpunkt daran, seine Bauchsachen wieder zu entfernen. Übrigens wurde mir dann doch noch zweimal versucht, die Netzhaut wieder anzulegen, ohne Erfolg, denn das Biest hatte sich eingerollt. Ein Wiener Netzhautspezialist tat sein Bestes. Immerhin wachte ich jedes Mal wieder aus der Narkose auf.

Bei meinem zweiten AKH Aufenthalt in Wien dachte ich mir, die wollen mich doch nicht etwa für die Resilienzforschung verwenden, weil alle erstaunt darüber waren, dass ich von heute auf morgen mit meiner Blindheit lebte, als ob nichts gewesen wäre. Ich bin ein Workoholic, liebe mein Onlineportal und mache aus dem grössten Scheiss noch etwas Brauchbares, das bin ich, und so war ich schon immer.

Bei meinem dritten AKH Aufenthalt flüchtete ich gleich einen Tag nach meiner Operation aus dem Krankenhaus, denn ich bemerkte etwas Komisches. Ich arbeitete doch versuchsweise erfolgreich an den Bauchsachen meines Glaukomspezialisten, und dabei entwickelten sich bei mir auch irgendwelche Bauchsachen, eher Geschwüre in der Magengegend. Wie unpraktisch, wo ich doch so ein praktischer Mensch bin.

Ich habe einen tollen Lebenspartner, den ich nach fünf Jahren immer noch fehlerlos und toll finde. Ab jetzt war der Wurm in meinem Leben, in meiner Beziehung und in mir drin. Ein Wurm ist immer drin. Als ich meine Bauchgefühle entdeckte, machte ich natürlich sofort einen Punkt, brach den Kontakt mit dem Arzt ab und heulte mich bei meinem Netzhautspezialisten kräftig aus.

Der wusste nicht einmal warum. Ohne die Augenoperationen wäre ich wahrscheinlich auch blind geworden und würde mich dann das ganze Leben fragen, wie es mit den Augenoperationen verlaufen wäre. Im Wiener AKH hinterliess ich natürlich auch ein Gefühlscaos, aber das störte mich nicht sonderlich. Mein Netzhaut Augenarzt fragte mich andauernd, wo mein Glaukom Arzt denn bleibt?

Zu dumm, dass hier die Bauchsachen den Weg ins frisch operierte Auge versperrten, und ich deshalb mit dem Glaukom Arzt ein ernstes Gespräch am Telefon hielt, mitten im Wiener AKH am Flur. Ab diesem Zeitpunkt behandelten mich die Pfleger und Krankenschwestern wie die heimliche Geliebte des Augenarztes. Nach der dritten Vollnarkose bemerkt man die Realität nicht mehr grau in grau, sondern stellt sie sich in rosaroten Farbtönen vor.

Als ich in meinem roten Negligee noch durchs Krankenhaus spazierte und mit meinem ältesten Geschäftspartner eine innige Symbiose am Telefon bildete, wurde ich zur Attraktion des Krankenhauses. Den Höhepunkt meiner Darbietung bildete ein Gespräch mit meinem Glaukom Arzt unter vier Augen in einem abgeschiedenen Kämmerchen. Es wurde höchste Zeit, dass ich den Schauplatz verliess, denn peinlicher konnte es nicht mehr werden.

Lieber Besucher, normalerweise führt ein Glaukom nicht zur Erblindung. Dies passiert nur in den seltensten Ausnahmefällen. Irgendwie tickten die Uhren in meinem Kopf anders, und so trat bei mir dieses seltene, aber auch selten unpraktische Phänomen ein. Also keine Panik, lassen Sie sich behandeln, es kann nur besser werden.

 

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