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So verhandeln Sie mit Ihrem Finanzamt

Steuernummer Erlebnis in Österreich - Lange ist es her, genauer gesagt im August, wirklich lange ist es her, da eröffneten wir die Agentur Elisabeth Putz in Österreich. Eine Herausforderung bezüglich der Behördengänge überrollten meine zwei Egos, meinen Buchhalter, meinen Sachbearbeiter, meinen treuen Lebenspartner an meiner rechten Seite und mich.

Ich musste eine Steuernummer haben. Wenn es nach mir ginge, bräuchte ich keine, aber die anderen brauchen meine Steuernummer, damit sie mein Bestes haben können, mein Geld. Ich rief ununterbrochen täglich beim Finanzamt an und forderte mein gutes Recht ein, meine Steuernummer und die dazupassende Ust. ID Nummer. Ich telefonierte so lange mit dem Finanzamt, bis ich denen wahrlich zu lästig wurde und eine Frau am Finanzamt sagte:

“Oh, schon wieda dei Deitsche Piefke!”

Das bedeutet übersetzt in der Weltsprache Deutsch:

“Oh, schon wieder diese liebe Frau aus Deutschland!”

Kurz darauf warf man mich unentwegt aus der Telefonleitung des Finanzamtes. Jetzt hatte die grosse Stunde meines Buchhalters geschlagen. Er durfte nun endlich ran ans Telefon und beim Finanzamt anrufen. Er ist ein waschechter Österreicher. Zuvor übten wir gutes Alpöchi Alpenbergland Österreichisch, denn wir wollten nicht mehr aus der Telefonleitung geworfen werden.

Mein Buchhalter rief nicht einfach an, nein, er liess sich verbinden mit dem Finanzamt. Das ist eine typisch österreichische Angeborenheit, die Österreicher lassen sich von Ihrer Sekretärin verbinden, damit sie voluminöse Aussenpräsenz und Wichtigkeit Ihrem Gegenüber in der Telefonleitung vermitteln. Ich spielte übrigens die Sekretärin, denn wir können uns noch keine Fingernägellackiererei mit Tippfehlerkenntnissen an der Schreibmaschine leisten.

Mein Buchhalter wurde urplötzlich mit “Herr Doktor” angesprochen, obwohl er nie studierte und auch kein Tierarzt ist, aber wenn man sich am Telefon verbinden lässt, ist es für österreichische Ohrläppchen immer ein Doktor. Das kann ja nur ein Doktor sein, der nicht mehr selbst die Mühe aufbringt, die Telefontasten mit seinen zarten, studierten Händen zu berühren.

Nach nur einem einzigen Telefongespräch mit dem Finanzamt und drei Tagen Wartezeit, bis der Postbote den Weg zu uns fand, bekam ich unsere wohlverdiente Steuernummer, und die Ust. ID Nummer wurde mir als Dankeschön gleich hinterher geschoben. Mit der Steuernummer flatterte mir gleichzeitig ein blanker Überweisungsträger für die Kommunalsteuer in mein bescheidenes Einmannbüro.

Wen sollte ich bezahlten? Meinen Sachbearbeiter, der nie Zeit hat, da ich ihn immer nur nach Leistung in unregelmässigen Abständen bezahle, meine zwei Egos, die mir nachts den Schlaf rauben, da sie so geldgierig sind, oder meinen Buchhalter, der immer, wenn er tätig wird, mit einer Wurst und zwei Mass Bier bezahlt wird. Ich könnte natürlich mich selbst entlohnen, dann wäre ich mein eigener Mitarbeiter.

Als ich mich erkundigte, für wen ich um Gottes Willen diese Kommunalsteuer bezahlen sollte, meinten die am Finanzamt nur, dass sie annehmen, eine so grosse Firma wie Elisabeth Putz muss doch wenigstens einen angestellten Grund für Kommunalsteuerpflicht aufweisen können.

Und jetzt warten die, überwachen mich, mein Einmannbüro, und wollen Geld für meine nicht vorhandenen Angestellten haben. Das nächste mögliche Gewerbe, welches ich jemals in Österreich eröffnen werde, ist bestimmt ein unrentables Gewerbe, welches ich als reine Liebhaberei betreiben werde, damit mir niemand mehr mit einer Kommunalsteuer in Österreich daherkommen kann.

So oder ähnlich erhält man in Österreich seine Steuernummer. Bei der Verteilung lassen sie sich Zeit, denn der Zustand des Gebens tut weh, aber beim Geldeinsammeln sind sie schnell, da braucht man wirklich keine Angst zu haben, denen hinterhertelefonieren zu müssen. Das Nehmen war schon überall und zu jederzeit ein gutes Gefühl. Ich nehme jetzt auch, ich nehme eine Tasse Kaffe und schütte sie mir in meinen kleinen Saumagen, der heute bereits das vierte Frühstück eingenommen hatte.

 

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